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Unfall, Operation oder schwere Krankheit? Die moderne Intensivmedizin rettet Leben

Moderne Intensivstationen versorgen Patienten in lebensbedrohlichen Zuständen nach Unfällen, Operationen oder bei Krebserkrankungen zuverlässig und interdisziplinär. Dabei kommen verschiedenste Geräte und moderne Medikamente zum Einsatz, um Schmerzen zu lindern.

Intensivmedizin

Intensivmedizinische Behandlung - Detailansicht Tropf

Die Intensivpflege bzw. Intensivmedizin ist ein Fachgebiet innerhalb der Medizin und gehört zum Fachbereich der Anästhesiologie. Die Anästhesiologie umfasst neben der Intensivmedizin auch die

Fachgebiete Schmerztherapie und Notfallmedizin.

Die Intensivmedizin zielt auf die Versorgung von Menschen mit lebensbedrohlichen Verletzungen und sehr schwerwiegenden Erkrankungen ab. Sie findet auf einer eigens dafür eingerichteten Intensivstation in einer Klinik statt, die auch in Deutschland immer öfter mit der englischen Abkürzung ICU (Intensive Care Unit) bezeichnet wird. Während kleinere Krankenhäuser nicht immer über Intensivstationen verfügen, sind eine oder mehrere Intensivstationen in größeren Kliniken Standard. In größeren Kliniken gibt es meist eigene Intensivstationen in den eigenen Fachbereichen, zum Beispiel für die Kardiologie, die Neurologie oder die Unfallchirurgie.

Ein speziell ausgebildetes Team aus Experten, wie Ärzten und Pflegern mit spezieller intensivmedizinischer Ausbildung, überwacht die Patienten auf der Intensivstation rund um die Uhr. Dazu wird eine Vielzahl von Maschinen. Auf einer Intensivstation müssen die Vitalfunktionen der Patienten in ihrem kritischen Zustand fortlaufend überwacht werden. Veränderungen müssen in Echtzeit registriert werden, um äußerst schnell einzugreifen und gegenzusteuern. Denn eine Verschlechterung der Zustände kann für die Patienten schnell lebensbedrohlich werden.

Welche Patienten liegen auf einer Intensivpflege Station?

Intensivmedizinische Behandlung - Detailansicht Intensivstation

Auf einer Intensivstation befinden sich Patienten und Patientinnen mit den unterschiedlichsten Krankheiten und Verletzungen. Sie stehen aufgrund ihres oft kritischen Zustandes unter engmaschiger Betreuung. Typische Diagnosen und Indikationen für den Aufenthalt auf einer Intensivstation sind:

  • Großflächige Verbrennungen
  • Herzinfarkt oder Schlaganfall
  • Größere Operationen
  • Krebserkrankungen
  • Sepsis (Blutvergiftung)
  • Schwere Infektionen (z. B. Covid-19)
  • Schwere Verletzungen, zum Beispiel nach Verkehrsunfällen, Stürzen oder Schießereien
  • Schockzustände
  • Atemstillstand oder der Zustand nach einer Wiederbelebung
  • Nierenversagen
  • Transplantation eines Organs

Abhängig von der Krankheit oder der Verletzung ist auch die Auswahl der verabreichten Medikamente. Die meisten Patienten auf einer Intensivstation müssen schmerzmedizinisch behandelt werden und bekommen auch Mittel zur Sedierung. Bei manchen Menschen auf sogenannten intensivmedizinischen Palliativstationen ist die Schmerzlinderung sogar das oberste Ziel und man nimmt notfalls eine Verkürzung der Lebenserwartung in Kauf, um die Schmerzen zu lindern.

Manche Patienten auf der Intensivstation benötigen zeitweise Unterstützung der Herz-Kreislauf-Funktion. Andere Menschen wurden aufgrund ihres kritischen Allgemeinzustandes in ein künstliches Koma versetzt und wieder andere stehen aufgrund ihrer Erkrankung unter starken Schmerzmitteln und müssen daher engmaschig durch die Intensivmedizin überwacht werden.

Eine Behandlung auf der Intensivstation stellt für jeden Patienten einen schweren Einschnitt dar. Oft dauert es Wochen bis Monate, bis sich Patienten von ihrer Behandlung auf der Intensivpflege Station erholen.

Ein besonderer Zustand auf der Intensivstation ist das Delir eines Patienten. Dabei handelt es sich um eine akute, aber reversible Störung des Bewusstseins. Diese geht oft mit Zuständen von Verwirrtheit, Halluzinationen oder Desorientierung einher.

Die Behandlung von Krebspatienten auf der Intensivtherapie Station

intensivmedizin-ethypharm

Fünf bis zehn Prozent aller Krebspatienten liegen im Laufe ihrer Erkrankung auf der Intensivstation einer Klinik. Vor allem Patienten mit akuter Leukämie, Krebs der Speiseröhre oder bei einer Stammzellentransplantation benötigen intensivmedizinische Pflege. Ebenso können Infektionen oder eine Sepsis bei Tumorerkrankungen dazu führen, dass Patienten innerhalb der Klinik auf die Intensivstation verlegt werden müssen, um rund um die Uhr betreut und überwacht werden zu können. Auch der hämorrhagische Schlaganfall aufgrund einer intratumoralen Blutung oder Komplikationen aufgrund von Tumorwachstum sind häufige Gründe für eine Einlieferung auf eine Intensivstation.

Bei der Behandlung ist es wichtig für den Erfolg der Therapie, dass das onkologisch ausgebildete Pflegepersonal eng mit den Pflegekräften und Ärzten der Intensivmedizin zusammenarbeitet. Diese multidisziplinäre Versorgung ist wichtig, um erste Anzeichen von Komplikationen frühzeitig zu erkennen und ihnen gezielt mit den richtigen Maßnahmen entgegensteuern zu können.

Analgesie in der Intensivmedizin

Intensivmedizin Medikamente - Detailansicht Medikamente und Tabletten

Unter Analgesie versteht man in der Medizin das Ausschalten bzw. die Unterdrückung der Schmerzempfindung. Die Medikamente, die dabei eingesetzt werden, nennt man Analgetika. Ein analgetischer Zustand kann temporär durch starke Schmerzmittel herbeigeführt werden. Er kann aber auch dauerhaft durch eine permanente Ausschaltung der Schmerzleitung entstehen. In der Intensivmedizin ist die Analgesie ein wichtiger Pfeiler. Der Patient oder die Patientin wird sediert, um körperliche und psychische Stressoren auszuschalten. Dies erfordert eine engmaschige Überwachung durch die Pflegekräfte. Denn die Experten müssen das Schmerzniveau des Patienten abschätzen und rund um die Uhr die Tiefe der Sedierung durch Analgetika überwachen.

Wird die Analgesie therapeutisch angewandt, werden bestimmte Zellen bzw. Teile im zentralen oder peripheren Nervensystem so ausgeschaltet, dass die Weiterleitung des Schmerzes unterbrochen ist. Vor jeder analgetischen Behandlung muss immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung durchgeführt werden, da sie mit zahlreichen Risiken für Patienten und Patientinnen einhergeht. Werden Patienten sediert, verlängert sich in der Regel die Verweildauer auf der Intensivtherapie Station sowie die Dauer der Beatmung.

Analgetika liegen verschiedene Wirkmechanismen zugrunde. Sie greifen entweder in die Schmerzentstehung oder die Schmerzweiterleitung ein. Dabei führen sie entweder zur kompletten Analgesie, zu einer Verminderung des Schmerzes oder sie verändern den Schmerz.

Die Unterteilung der Analgetika

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Analgetika werden nach den folgenden Kriterien unterteilt:

  • Wirkort
  • Stärke der Wirkung
  • Chemische Struktur: Opioide und Nicht-opioide Analgetika
  • Rezeptor

Ort der Wirkung

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  • Nicht-Opioidanalgetika: Sie docken nicht an Opiatrezeptoren an. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), das Paracetamol oder die Pyrazolone.
  • Opioidanalgetika: Diese Medikamente reagieren mit den körpereigenen Opiatrezeptoren. Zu ihnen gehört unter anderem Morphium.
  • Medikamente aus der Klasse der NMDA-Rezeptorantagonisten, z. B. das Ketamin
  • N-Typ Calciumkanalblocker, z. B. der Wirkstoff Ziconotid.

Zudem unterscheidet man zwischen peripher (über die Biosynthese der Prostaglandine) und zentral wirksamen Analgetika (über die Opiatrezeptoren oder NMDA-Rezeptoren).

Stärke der Wirkung

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Zu den schwach wirksamen Analgetika zählen Mittel wie Paracetamol, Metamizol und die Nichtsteroiden Antirheumatika wie Diclofenac oder Ibuprofen.

Zu den schwach zentral wirksamen Analgetika gehören schwache Opioide wie Codein, Tramadol oder Tilidin.

Zu den stark zentral wirksamen Analgetika zählt man Opioide wie Buprenorphin, Morphin oder Levomethadon.

Chemische Struktur der Analgetika

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Nicht-opioide Analgetika: Diese Gruppe unterteilt man noch einmal in die nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), wie die sauren Antiphlogistika und Antipyretika sowie nicht-saure Substanzen. Nicht-opioide Analgetika wirken in der Regel peripher und sind die erste Stufe in der Therapie von Schmerzen.

Opioide Analgetika docken an die körpereigenen Opioidrezeptoren an. Sie werden in verschiedene Gruppen eingeteilt (reine Agonisten, gemischte Agonisten-Antagonisten, partielle Agonisten und reine Antagonisten). Zudem werden sie in schwach-wirksame (Tramadol, Tilidin und Codein) und stark-wirksame Medikamente (z. B. Morphin, Oxycodon, Pentazocin) unterteilt.

Cannabis in der Analgesie

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Cannabis und Cannabinoide: Extrakte aus der Hanfpflanze sind relativ neu in der analgetischen Behandlung und werden von unterschiedlichen Forscherteams auf der ganzen Welt untersucht. Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) sind zwei chemische Verbindungen in den Extrakten aus Hanfpflanzen, die überwiegend für die Wirkung der Pflanzen bzw. ihrer Extrakte verantwortlich gemacht werden. Beide Substanzen können in der Behandlung von Tumorschmerzen, in der Palliativbehandlung und bei den neuropathischen Schmerzen ihre Wirkung zeigen. Auch für die Anwendung bei Lähmungen, in der Behandlung der Übelkeit bei Strahlen- und Chemotherapie sowie bei ADHS oder dem Tourette-Syndrom sind die Inhaltsstoffe vielversprechend.

Die Anästhesie als Spezialgebiet der Anästhesiologie

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Unter Anästhesie versteht man den Zustand der Empfindungslosigkeit. Die Methoden der Anästhesie machen viele medizinische Eingriffe erst möglich, da der Patient nicht mehr bei Bewusstsein ist. Neben dem Bewusstsein wird bei den Patienten auch das Schmerzempfinden komplett ausgeschalten. Die Anästhesie ist Teil der Anästhesiologie, die neben der Anästhesie auch die Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen während Operationen umfasst. Die Anästhesie unterscheidet zwei Formen: Die Allgemeinanästhesie und die örtliche Anästhesie.

Die Allgemeinanästhesie

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Die Allgemeinanästhesie ist auch als Narkose bzw. Vollnarkose bekannt. Bei einer Narkose ist der Patient nicht mehr bei Bewusstsein, sondern wird vorübergehend in ein künstliches, reversibles Koma versetzt. Das erreicht der Anästhesist durch eine Kombination aus Medikamenten:

  • Hypnotika
  • Sedativa
  • Anästhetika
  • Starke Schmerzmittel, zum Beispiel Opioide
  • Muskelrelaxanzien.

Mit diesen Medikamenten wird das Bewusstsein aufgehoben, das Zentrale Nervensystem ausgeschalten, vegetative Funktionen gedämpft und in manchen Fällen zusätzlich die Muskulatur medikamentös entspannt. Meist werden die Medikamente durch einen intravenösen Zugang verabreicht. Manche Medikamente müssen auch mittels Mund-Nasen-Maske inhaliert werden.

Die lokale Anästhesie

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Die lokale Anästhesie hat nicht das Ziel das Bewusstsein des Menschen auszuschalten, sondern zielt auf eine lokale Ausschaltung des Schmerzes ab. Dabei werden Medikamente in der Regel direkt dort injiziert, wo sie wirken sollen. Diese Medikamente unterdrücken für einen gewissen Zeitraum die elektrische Leitfähigkeit der Nerven und Impulse werden nicht an Rückenmark und Gehirn weitergeleitet.

Die lokale Anästhesie unterscheidet die Infiltrationsanästhesie, bei der das Anästhetikum in das Gewebe injiziert wird und die Oberflächenanästhesie, bei der das Mittel als Lösung, Spray, Salben oder Puder auf die Körperoberfläche aufgebracht wird.

Wenn wir in die Zukunft blicken, wissen wir, dass es in der Medizin noch Raum für Verbesserungen gibt. Wenn diese Herausforderungen mit unserem F&E-Team besprechen möchten, helfen wir Ihnen gerne weiter.

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